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08.03.2013 - Feuerwehr Magazin Übersicht | Drucken

Diskussion um die Zukunft der Feuerwehren

Bad Freienwalde (BB) – Keine Frage – wenn es brennt, rückt bisher die Feuerwehr aus. Doch hat genau die angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zum Teil anhaltenden Investitionsstaus im Flächenland Brandenburg noch eine Zukunft? Mit dieser Frage hat sich der zweite “Antenne Brandenburg-Stammtisch” am Mittwochabend in Bad Freienwalde (Kreis Märkisch-Oderland) beschäftigt.


Feuerwehr Magazin -

Nach gut zweistündiger Diskussion stand fest: Auch in Zukunft wird die freiwillige Feuerwehr das Rückgrat der Feuerwehr sein. Die Politik allerdings muss die Rahmenbedingungen verbessern, um in neue Technik und in den Nachwuchs investieren zu können.

Brandstifter fordert die Feuerwehr

Der Austragungsort für den zweiten Stammtisch war bewusst gewählt worden. Trieb doch im vergangenen Jahr ein Brandstifter in der Kurstadt sein Unwesen. Mehr als 40 Brände gingen auf sein Konto. Und noch immer ist er nicht gefasst. Erst in der Nacht zum Mittwoch mussten die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Bad Freienwalde ausrücken – dreimal. Noch können die Kameraden die Einsatzbereitschaft garantieren. Und daran werde sich auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nichts ändern, versicherte Stadtbrandmeister René Erdmann. Das Durchschnittsalter der Ortsfeuerwehr liegt bei 30 Jahren.

Tagsüber nur noch vier Kräfte verfügbar

Anders sieht es aber schon heute in den kleineren Orten aus. Dort kann oftmals die Einsatzbereitschaft am Tage nicht mehr garantiert werden, weil die Feuerwehrleute der Arbeit wegen lange Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Wie in Eichwerder – ein 300 Seelen-Ort im Oderbruch. Die Löschgruppe besteht dort nur noch aus neun Mitgliedern. Fünf von ihnen seien am Tag nicht da, weil sie außerhalb arbeiten, so Norbert Thunack, der dortige Löschgruppenführer. Wenn es brennt, dann müssen die Kameraden aus der benachbarten Stadt Wriezen ausrücken. Dort befindet sich eine von 103 Stützpunktfeuerwehren im Land.

Stützpunktfeuerwehren haben sich bewährt

Mit dem Aufbau der Stützpunktfeuerwehren hat man in Brandenburg 2007 begonnen. Ein Modell, das sich nach Meinung der Experten bewährt hat und das auch noch in fünf Jahren funktionieren werde, wie Norbert Zoschke, Landesbranddirektor und Leiter der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz, am Mittwoch sagte. Darüber hinaus bedürfe es intelligenter Lösungen. Dann müsse man eventuell über eine punktuelle personelle Verstärkung im hauptgleichen Amt nachdenken.

Verlust von 11.000 Mitgliedern vorhergesagt

Bis dahin jedoch sollte das Augenmerk auf die Nachwuchsgewinnung gelegt werden. Das hielt Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg, für die dringlichste Aufgabe. Die Zahl der Einsatzkräfte werde im Jahr 2020 von jetzt 46.000 auf 35.000 sinken. Man könne noch 100 Fahrzeuge anschaffen. Die würden nichts nützen, wenn man keinen habe, der sie fahren könne. Anreize schaffen, die Feuerwehr interessant machen – das ist eine Aufgabe, die alle angehe. Denn wenn die Feuerwehr dicht machen müsse, dann habe man ein gesamtgesellschaftliches Problem, so Gerd Rademacher, Fachbereichsleiter Jugendpolitik bei der Landesjugendfeuerwehr. Man müsse auch die Leute im Ort ansprechen, Potenziale fördern. Ähnlich sah es Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland. Es liege am Träger des Brandschutzes und den Leuten vor Ort, wie die Feuerwehr akzeptiert werde. In Märkisch-Oderland habe es zudem in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung bei den Jugendfeuerwehren gegeben – waren es vor Jahren noch acht sind es heute 16.

Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg im Interview. Foto: Heike Stachowiak

Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg im Interview. Foto: Heike Stachowiak

Für Schmidt steht fest, dass die freiwilligen Feuerwehren Zukunft haben. Sie werden die Korsettstangen sein, in denen man sich mit bestimmten Aufgaben konzentrieren werde. So sieht es auch Dieter Dombrowski, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Brandenburg: “Ich halte nichts davon, dass einzelne Ortswehren aufgelöst werden. Wer diesen Weg beschreitet, wird damit die freiwillige Feuerwehrarbeit zum Erliegen bringen.” Die öffentliche Feuerwehr sei deshalb auch künftig wichtig, weil sie Sicherheit garantiere und in den Gemeinden das Leben erhalte, so Dr. Herbert Trimbach, Leiter der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz im Innenministerium des Landes Brandenburg. (Text: Heike Stachowiak)




Michael Krüger, 26.08.2013, 23:13 Uhr
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